„Die Effektivität der homöopathischen
Behandlung“
im ÄRZTLICHEN ZENTRUM FÜR KLASSISCHE HOMöOPATHIE STUTTGART
Vaihingerstr. 39, 70567 Stuttgart - Möhringen
Ergebnisse einer Outcomes Studie
Die Homöopathie ist eine der am weitesten verbreiteten komplementären
Therapieverfahren. Die Akzeptanz und die Nachfrage nach dieser
Behandlungsmethode steigt stetig.
Nach einer Studie der IKK 1993 wenden über 40 % aller Deutschen komplementäre
Therapieverfahren, wie die Homöopathie, an. Aber auch bei den Allgemeinärzten
haben 1993 bereits 95 % komplementäre Therapieverfahren, wie die Homöopathie,
angewendet (Himmel et All 93).
Trotz dieser eindeutigen Entwicklung fehlt der Homöopathie im politischen
Bereich, im Bereich der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung, als
auch im universitären Bereich noch die Anerkennung, die ihr gebührt. Dies kann
damit zusammenhängen, daß die Homöopathie zwar eine Erfahrung von 200 Jahren
hat, statistische Auswertungen und Effektivitäts- und Qualitätskontrollen
jedoch in den letzten Jahrzehnten durchaus unübliche Verfahren waren. Erst in
den letzten Jahren entstanden Überlegungen und Studien, die dieses Problem
untersuchen (z.B. die Studie des Institutes für Arbeits- und Sozialmedizin und
Epidemiologie an der Universitätsklinik Charité von Prof. Stefan N. Willich:
Verlaufsbeobachtung bei Patienten in der homöopathischen Praxis). Diese Studien
sind mit einem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden und
sind leider noch nicht abgeschlossen.
In der täglichen homöopathischen Praxis entstand so das Bedürfnis nach einem
weniger aufwendigen Studiendesign, im Sinne einer Outcomes-Studie, die sowohl
allgemeine Daten über die Effektivität der homöopathischen Behandlung, als
auch Daten zur Qualitätssicherung in der betreffenden Praxis liefert.
Daher mußte ein Weg gefunden werden zwischen Optimierung der Aussagekraft und
Machbarkeit und Finanzierbarkeit in der Praxis. Kontrollierte, randomisierte
Studien sind zwar sonst Standard für die Anerkennung einer Behandlungsmethode,
sind jedoch für eine solche Betrachtungsweise aus methodischen und
organisatorischen Gründen unsere Fragestellung nicht einsetzbar (s. Homint News
Letter 298 prospektive Dokumentation in der homöopathischen Praxis, ein
essentieller Beitrag zur Qualitätssicherung M. Heger)
Wichtig war uns die allgemeine Frage, welchen Beitrag die Homöopathie zur
Gesundheitsversorgung der Patienten leistet, mit der Qualitätssicherung in der
speziellen Praxis zu verbinden. Folgende spezielle Fragen sollten beantwortet
werden:
1. Welchen Nutzen bringt den Patienten die homöopathische Behandlung?
2. Frage zur Lebensqualität
3. Die Patientenzufriedenheit
4. Wie lange bestanden die Beschwerden schon, bevor sie in homöopathische
Behandlung kamen ?
5. Welche Behandlungsmethode hat letztendlich die Besserung der Beschwerden
bewirkt ?
6. Mit welchen Diagnosen kommen die Patienten vor allem ?
7. Wie ist die Effektivität der Behandlung am Beispiel eines Krankheitsbildes
der Neurodermitis ?
8. Welche Kosten verursacht die homöopathische Behandlung ?
9. Welche Strategien sind sinnvoll, um auf die homöopathische Behandlungsmöglichkeit
aufmerksam zu machen ?
Material und Methode
Die Studie wurde durchgeführt im Zentrum für klassische Homöopathie
in Stuttgart. Sie wurden dort von 6 Ärzten mit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“
behandelt.
Behandlungsmethodik ist die klassische Homöopathie mit homöopathischen
Einzelmitteln. Entweder mit Einzelgaben zwischen C oder 30 und der D 100 000
oder mit LM Potenzen in aufsteigender Dosierung. Arzneimittel bis zur D 200
wurden von der DHU - Karlsruhe , die höheren Potenzen von Schmidt - Nagel -
Genf verwendet.
Die Behandlung erfolgt nach einem Erstgespräch mit einem Arbeitsaufwand im
Schnitt von ca. 2.5 Stunden, einschl. Auswertung eines ausführlichen
Fragebogens, Computer-Repertorisation ( Radar oder Mac - Repertory), EDV-gestützter
Dokumentation (Praxis-Pro), Videaufnahme Erstanamnese.
Die Folgekonsultationen erfolgen in der Regel in sechswöchigem Abstand.
Nur bei Einsatz von LM Potenzen oder sehr schwerwiegenden Erkrankungen sind kürzere
Intervalle ( 1 bis 2 wöchentlich ) erforderlich .
Ein- und Ausschlußkriterien:
In die Studie eingeschlossen wurden alle Patienten, die seit der Eröffnung
des Zentrums im Juni 97 bis März 98 behandelt wurden. Allen Patienten wurde ein
Kurzfragebogen mit 7 Fragen und Auswertungsmöglichkeiten zugesandt.Die Fragebögen
wurden im Juni 98 verschickt. Der Rücklauf bis Dezember 98 in die Studie
aufgenommen, d.h. die Beobachtungszeiten und der Behandlung liegen zwischen 3
und 18 Monaten.
Die Patienten wurden darauf hingewiesen, daß die Auswertung von einer Kollegin
vorgenommen wird, die nicht in die Behandlung integriert ist. Diese Kollegin übernahm
auch die telefonischen Rückfragen bei Nichteingehen des Fragebogens, als auch
die statistische Auswertung. Registriert wurden außerdem der Name des
behandelnden Arztes, die Diagnosen und ein freies Feld für Anregungen und
Kritik der Patienten. Die Daten wurden in eine File-Maker kompatible Datenbank (Claris
Works) aufgenommen, namensunabhängig codiert und ausgewertet.
Fragen an die Patienten :
1. Wie haben sich Ihre Hauptbeschwerden seit der homöopathischen
Behandlung verändert?
2. Wie hat sich Ihr Allgemeinbefinden seit der homöopathischen Behandlung verändert?
3. Wie sind Sie mit der homöopathischen Behandlung zufrieden?
4. Wie sind Sie mit der Organisation zufrieden?
5. Falls Ihre Beschwerden gebessert wurden, welche Methode hat die Besserung
bewirkt?
6. Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?
Ergebnisse:
Angeschrieben wurden alle im Zentrum behandelnden Patienten von Juni
97 bis März 98. Gesamtzahl: 170, Rücklauf : 157 (In Prozent 92 % )
Im Zentrum werden primär langdauernde chronische Erkrankungen behandelt. Die
durchschnittliche Erkrankungszeit vor der homöopathischen Behandlung lag bei 74
Monaten (ca. 6 Jahre).
Die Dauer der Vorbeschwerden wurde in 4 Gruppen eingeteilt 0 - 1 Jahr,
2 - 4 Jahre, 5 - 10 Jahre und mehr als 10 Jahre.
Dauer der Beschwerden vor der homöopathischen Behandlung
Dauer der Beschwerden 0 - 1 2- 4 5 - 10 mehr als 10 Jahre
in % 9 % 31% 35 % 17 %

0 - 1 Jahr 2 - 4 Jahre 5 - 10 Jahre mehr als 10 Jahr
Wie haben sich Ihre Beschwerden seit der homöopathischen Behandlung verändert
?

Wie hat sich Ihr Allgemeinbefinden verändert ?

Wie sind Sie mit der homöopathischen Behandlung zufrieden
?

Wie sind Sie mit der Organisation zufrieden ?

Auf die Frage : Welche Methode hat die Besserung bewirkt ?
- Homöopathie
- andere Behandlungsmethoden
- Änderung der Lebensumstände
kreuzten an: Homöopathie 75 %
änderung der Lebensumstände 18 %
andere Behandlungsmethoden 7%
Krankheitsbilder :
Welche Krankheitsbilder kommen auf häufigsten in die homöopathische
Behandlung?
- Neurodermitis und allergische Erkrankungen 17 %
- Infektanfälligkeiten 13 %
- psychosomatischer Symptomenkomplex 8 %
Die besten Ergebnisse mit vollständiger Symptomfreiheit im Beobachtungszeitraum
wurden erzielt bei:
Neurodermitiden, Asthma bronchiale, Pollinose, Psoriasis, kindl. Epilepsie,
Multiple Sklerose assoziierte Parästhesie
Nachfolgend die behandelten Krankheitsbilder geordnet nach der Häufigkeit des
Auftretens.
Neurodermitis
Asthma bronchiale
Infektanfälligkeiten
Migräne
Psychosomatischer Symptomenkomplex
Schlafstörungen
kindliche Verhaltensstörungen
rezidivierende Harnwegsinfekte
Hypertonie
Colitis ulcerosa
M.Crohn
Psoriasis
Gynäkologische Erkrankungen
rez. Vaginalmycosen
Cyclusstörungen
Infertilität
rez. LWS Syndrom
CFS
Enuresis
Depressionen
Heuschnupfen
Urticaria
Neuralgien
Akne
primär chron. Rheuma
Tinnitus
rez. Histiocytom
Folgezustand nach Bilharziose
kindliche Epilepsie
bis hin zu Multipler Sklerose und
Carcinomerkrankungen


Kostenanalyse
Die Kosten für die homöopathische Behandlung belaufen sich auf:
- Erstgespräch, je nach Zeitaufwand, DM 400 - DM 600
(Zeitaufwand 2 - 3 Stunden)
- Folgekonsultation DM 50 - 150 DM
Zeitaufwand 15 bis 45 Minuten, Häufigkeit ca. alle 6 Wochen
- die Kosten für die Einzelmittelgaben liegen im Pfennigbereich und sind
somit vernachlässigbar und werden dem Patienten nicht berechnet. Bei
Anwendung von LM-Potenzen entstehen Arzneimittelkosten von ca.
DM 30,-- pro Monat.
- die Gesamtbehandlungskosten pro Jahr, einschließlich Erstanamnese,
liegen bei ca. DM 1.300, bei Behandlung mit LM Potenzen zusätzlich
noch DM 30 pro Monat. LM Potenzen werden in der Regel nur zu Beginn der homöopathischen
Behandlung eingesetzt.
Diskussion :
Bei Auswertung der Ergebnisse zeigt sich zunächst, daß in der homöopathischen
Privatpraxis vor allem Patienten mit langdauernden chronischen, teilweise
schweren Erkrankungen zur Behandlung kommen. Sie haben viele Therapieversuche in
schulmedizinischen und teilweise im alternativen Bereich durchgemacht, viele
Kosten verursacht und zum Teil selbst getragen und keine Besserung ihrer
Beschwerden und ihres Allgemeinzustandes erfahren.
Unter der homöopathischen Behandlung zeigen sich bei 65,9% der Patienten eine
Besserung ihrer Hauptbeschwerden. Da die Homöopathie ja nicht nur einzelne
isolierte Symptome behandelt, sondern immer die Gesamtheit der Symptome des
Menschen im Auge hat, verbessern sich parallel zu den Hauptbeschwerden auch
viele andere kleinere Symptome und vor allem das Allgemeinbefinden bei 70 % der
Patienten. Dies zeigt sich in der Zufriedenheit mit der homöopathischen
Behandlung, wobei 75,3 % die homöopathische Behandlung als gut oder sehr gut
einstuften. Zufriedene Patienten bleiben in der Regel ihrem Arzt und der
Behandlungsmethodik treu, wechselten weniger und verursachen so weniger Kosten
im Gesundheitswesen. Dies zeigt sich auch in der Frage, welche Methodik die
Besserung bewirkt hat. Hier entscheiden sich 78 % klar dafür, daß die Homöopathie
zur Besserung ihres Allgemeinbefindens und Symptombefindens verursacht hat.
Die Fragen über die Zufriedenheit mit der Praxisorganisation sind, neben den
Qualitätskriterien der homöopathischen Behandlung wichtige Informationen, die
die Patientenbindung an die Praxis bedingen. Hier können Termin- und
Zeitmanagement, Erreichbarkeit usw. einfließen und auch gezielt verbessert
werden.
Die Frage, wie sind sie auf uns aufmerksam geworden, kann entscheidend sein, für
den Einsatz der Kräfte für die Öffentlichkeitsarbeit. Hier wird klar, daß
zwar Anzeigen und Vorträge einen gewissen Bekanntheitsgrad schaffen können,
jedoch der Hauptstrom der Patienten von fast 70 % durch persönliche Empfehlung
und Erfahrung geleitet wird.
Die Frage des Vergleiches dieser Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe sind z.Zt.
schwer möglich, da die z.Zt. laufenden ähnlichen Studien noch nicht in der
Auswertung sind und andere vergleichbare Studien bisher in der Homöopathie
nicht üblich waren. Kontrollgruppen schulmedizinischer Praxen gegenüber zu
stellen, macht wegen der großen Heterogenität des Patienten und
Diagnosekollektivs wenig Sinn.
Sinnvoll für die Zukunft könnte eine Gegenüberstellung spezieller
Diagnosegruppen, wie z.B. der Neurodermitis, unter homöopathischer und
konservativ schulmedizinischer Behandlung sein.
Da der Aufwand einer solchen praxisorientierten Studie überschaubar ist, planen
wir nach Ablauf eines weiteren Jahres wiederum sämtliche Patienten im gleichen
Sinne zu befragen. Hier könnten dann längere Zeit Beobachtungszeiträume und
auch schon befragte Patienten in der Langzeitbeobachtung verglichen werden.
Das bisherige Studiendesign berücksichtigt nur die Bewertung durch den
Patienten, was insbesondere bei schweren und prognostisch ungünstigen
Erkrankungen das Ergebnis verfälschen kann. In der täglichen, computergestützten
Dokumentation haben wir eine Arztbewertung mit eingeführt, die im nächsten
Design mit berücksichtigt wird.
Ebenfalls wurde das Problem berücksichtigt, daß Patienten retrospektive Zeiträume
wesentlich schlechter beurteilen können als den aktuellen Gesundheitszustand,
deshalb bewertet der Patient bei jedem Follow-Up seine Hauptbeschwerden in einem
Score von 1 - 10. Die Daten werden dann in eine File-Maker-Datenbank direkt übertragen
und sind für die künftige Auswertung ebenfalls verfügbar.
Auch innerhalb der homöopathischen Behandlungsmethodik gibt es unterschiedliche
Schulen und Ansätze, von der unterschiedlichen Bewertung der niedrigen und
hohen Potenzen bis hin zu der unterschiedlichen Bewertung der Geist-Gemütssymptomatik
und der körperlichen Symptomatik, wie z.B. in der Masi-Schule im Vergleich zur
Künzli-Schule. Jede Methodik und Schule berichtet natürlich von
ausgezeichneten Behandlungserfolgen. Im schulmedizinischen Bereich wäre es hier
aber auch sinnvoll und notwendig, die eigenen Behandlungsergebnisse statistisch
auszuwerten und offen zu diskutieren. In der Homöopathie könnten so
langfristig Indikation erstellt werden, bei welchen Krankheitsbildern welche
Methodik die besten Ergebnisse liefert.
Zusammenfassung
Statistische Aufarbeitung der Behandlungsergebnisse sind im Bereich
der klassischen Homöopathie so wichtig wie im schulmedizinischen Bereich.
Outcomes Studien, mit Berücksichtigung der Änderung der Intensität der
Hauptbeschwerden, des Allgemeinbefindens, der Patientenzufriedenheit, sind
hierzu geeigneter, als randomisierte, kontrollierte, evtl. sogar verblindete
Studiendesigns. Im Zentrum für Klassische Homöopathie Stuttgart wurden 154
Patienten befragt und ausgewertet. Dabei ergab sich eine hohe Effektivität der
homöopathischen Behandlung von 65,9%, gekoppelt mit einer Verbesserung der
Lebensqualität um 70 % und einer Patientenzufriedenheit von 75,3 %. Die
klassische homöopathische Behandlungsmethode erwies sich dabei als eine äußerst
effektive, kostengünstige Behandlungsmöglichkeit, vor allem bei langdauernden
chronischen Erkrankungen.
Schlüsselwörter:
Homöopathie, Outcomes-Studie, Patientenzufriedenheit, Lebensqualität,
Qualitätssicherung
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Verlag Essen 1998
Ärztliches Zentrum für klassische Homöopathie März 99
Vaihingerstr. 39, 70567 Stuttgart
Tel:0711/7193301 Fax: / 7193320
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